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Gesellschaft und Politik in der Türkei

Gesellschaftliche Entwicklung, Vom Agrarland zur Konsumindustrie

Einblick in die gesellschaftliche Lage

Das Gestern ist trotz einer sehr schnellebigen Zeit mit einem wachsenden Informationsstrom und hohem Veränderungsdruck nicht vollkommen unwichtig geworden. Es hilft aber nicht mehr soviel wie in früheren Zeiten dabei, das Heute und vor allem das Morgen zu verstehen bzw. zu antipizieren.

Sowohl Menschen als auch Gesellschaften verändern sich heute mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit und Intensität, so dass alte Erklärungsmuster nicht mehr uneingschränkt angewendet werden können. Daher sind wir heute stärker als früher auf die Analyse aktueller Daten, Geschehnisse und Entwicklungen angewiesen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Geschichte keine Bedeutung mehr hat.

Was bewegt die Menschen?

Beschäftigen wir uns ein wenig mit der heutigen Türkei, mit dem, was die Menschen dort zur Zeit bewegt. Die Türkei verändert sich heute schneller denn je. Die Menschen, nicht nur die Eliten, sondern auch die Frau und der Mann von der Straße, sind in einen Sog geraten, der nicht ohne weiteres zu durchblicken ist.

Intellektuelle und Wissenschaftler, Politiker und Manager, Künstler und religiöse Gelehrte, alle sind ein stückweit ratlos. In manchen Fällen ist Aktionismus und Destruktivität die Folge. Sie alle wollen ihren Stand mit allen Mitteln verteidigen. Sie wehren sich dagegen, die Gegenwart anzunehmen und darin ihren Platz zu finden. Dies betrifft selbstverständlich nicht nur die Türkei, sondern auch die USA, Europa, Indien oder China. Gemeint ist hier der Druck, der sich durch die Globalisierung, einer immer stärker vernetzten Welt und einer damit einhergehenden Orientierungslosigkeit aufbaut.

Vom Argrarland zur Konsumindustrie

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Türkei ein Agrarland mit entsprechenden Feudalstrukturen. Heute ist das Land ein wichtiges Tourismuszentrum, nicht nur für Deutsche und andere Völker Europas, sondern auch für Russland und für Menschen aus dem nahen Osten, die sich hier einen Urlaub leisten wollen.

Gerade Menschen, die aus arabischen, islamischen und damit sehr autoritären Ländern kommen, möchten in der Türkei, sprich in Istanbul, an der Ägäis oder an der türkischen Riviera einen Hauch der Modernität, der Freizügigkeit, wenn man so will ‚ein wenig Europa’ erleben. Touristen aus Westeuropa wiederum wollen den Orient kennenlernen, wollen auf den Spuren der alten Kulturen wandeln. Der Tourismus ist mittlerweile wie in Spanien, Italien oder Griechenland ein wichtiger Industriezweig geworden und verändert das Land sehr stark und sehr schnell.

Die Konsumindustrie hat sich in weiten Teilen des Landes bereits daran gemacht, die Argrarstrukutren abzulösen. Während der Bauer mit dem Traktor das Feld bearbeitet, telefoniert er mit dem Mobiltelefon und surft über eine Datenkarte mit dem Laptop oder einem neuen Smartphone im Internet. Bis auf einige Gebiete im Norden und Südosten sind die Straßennetze von hoher Qualität und nicht zu vergleichen mit denen der neuen EU-Beitrittsländer Bulgarien, Ungarn und Rumänien.

Die Wirtschaft boomt seit einigen Jahren ununterbrochen und die bisher fehlende Mittelschicht wächst und sucht einen Platz in der Gesellschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von 180 Mrd. Dollar im Jahr 2002 auf 403 Mrd. Dollar in 2006. Bis 2008 stieg es wiederum um mehr als 300 Mrd. Dollar. Damit hat sich das statistische Pro-Kopf-Einkommen im gleichen Zeitraum von 2.600 auf 5.500 Dollar und jetzt auf 9.600 Dollar mehr als vervierfacht, liegt allerdings immer noch bei etwa 30 Prozent des Durchschnitts der Europäischen Union. Hier ist also noch ein großer Spielraum, was insbesondere auch für den Immobilienmarkt in der Türkei von großem Vorteil sein wird.

Entwicklung einer Eigendynamik

Die Umwandlung, die das Land vollzieht, geschieht so schnell und umfassend, dass die eigentlichen Akteure sie selbst nicht erfassen können. In erster Linie verändern sich Wertesysteme. Die Herrschaft der Männer wird nicht mehr als von Gott gegeben angenommen. Das Gesundheits- und das Bildungssystem wurden und werden mit großer Nachgiebigkeit modernisiert. Eine neue Technikerschicht ist entstanden, die nicht nur selbstbewusst, sondern auch stark westlich orientiert und meist mehrsprachig ist.

Alleine der Kandidatenstatus und der Beginn der Verhandlungen zum Beitritt der Türkei zur EU im Oktober 2005 haben dem Land einen weiteren Auftrieb in Richtung Demokratie und Reformen gegeben.

In den letzten Jahren erlebte die türkische Wirtschaft einen Aufschwung sowie hohe Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren. Dabei wird der Investitionsbereitschaft von ausländischen Kapitalgebern eine große Bedeutung beigemessen, da Investoren in der Regel früher und besser informiert sind.

Die zukünftige Entwicklung bleibt daher mit Spannung abzuwarten.

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